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Ex-AEG-Schüler Steffen Hagemann referierte zum Nahostkonflikt

Ein ehemaliger AEG-Schüler, der heute zu den angesehensten Experten für die Geschichte Israels und den Nahostkonflikt gilt, kehrte am vergangenen Freitag an seine frühere Schule zurück: Dr. Steffen Hagemann, Akademischer Rat an der Technischen Universität Kaiserslautern, referierte zum Thema „Der Nahostkonflikt – Hintergründe und Zusammenhänge“. Der Vortrag erfolgte auf Einladung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, deren Vorstandsmitglied Daria Leuthier ebenfalls anwesend war.

Steffen Hagemann (Jahrgang 1978) studierte von 1998 bis 2004 Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg, der Universität Tel Aviv und der Freien Universität Berlin. 2009 wurde er an der FU Berlin mit der Dissertation „Die Siedlerbewegung. Fundamentalismus in Israel“ zum Dr. phil. promoviert. Er war an der Universität Tel Aviv und Haifa sowie als Gastwissenschaftler am Bucerius-Institut für die Erforschung der deutschen Geschichte und Gesellschaft der Gegenwart tätig. Von 2018 bis 2022 war Hagemann Leiter des Büros Tel Aviv der Heinrich-Böll-Stiftung. Seine Forschungsschwerpunkte sind Demokratie, Autoritarismus, Politische Kultur, Soziale Bewegungen, Religion, Emotionen und Israel. Das Interesse für Israel begann für Hagemann (Abi 1997) in seiner Schulzeit: „1995 nahm ich am damaligen Austausch des AEG mit Tel Aviv teil, damals habe ich Interesse vor allem am Friedensprozess bekommen, der seinerzeit im Gange war.“ Leider erlebte dieser Prozess im November desselben Jahres einen herben Rückschlag, als der israelische Präsident Jitzchak Rabin von einem Juden und Gegner des israelisch-palästinensischen Friedensprozesses ermordet wurde.

Ausgehend vom Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem Waffenstillstand zwei Jahre später sowie dem so genannten „Trump-Plan“ spannte Hagemann einen großen Bogen im Rückblick auf die Geschichte Israels seit Ende des Zweiten Weltkriegs. „Konkurrierende Nationalbewegungen seit dem Zerfall des Osmanischen Reiches“ hätten zur Entstehung des Zionismus auf der einen und der palästinensischen Nationalbewegung auf der anderen Seite geführt, eine Teilung des Territoriums sei eine Folge gewesen. „Mit der Gründung eines eigenen Staates – eben Israel – wurde das Ziel der zionistischen Bewegung erreicht, zur Nichtakzeptanz der arabischen Staaten“, resümierte Hagemann. Der israelisch-arabische Krieg 1948 war darauf der Beginn vieler Auseinandersetzungen, der die Fragmentierung der Palästinenser zur Folge hatte: Einige blieben in Israel, andere gingen in Nachbarstaaten, andere wanderten ganz aus oder gingen ins Westjordanland oder in den Gazastreifen.

Die Gründung der PLO 1964, israelische Besatzung und Siedlungsprojekte im Westjordanland seit 1967, der Friedensprozess von Oslo in den 1990er Jahren, symbolisiert von Jassir Arafat und Jitzchak Rabin, das Attentat auf Rabin und Scheitern des Friedensprojekts, die Gründung der Hamas und deren wachsende Bedeutung – zahlreiche Schritte der weiteren Entwicklung wurden von Dr. Steffen Hagemann kurz, aber sehr prägnant beleuchtet. Er endete mit einem Ausblick: „Die Frage ist, ob dort ein palästinensischer Staat entsteht – und was mit dem Westjordanland passiert.“ Solange die Hamas nicht entwaffnet sei, wäre die Umsetzung des von Donald Trump verkündeten Gaza-Friedensplans schwierig.

Nach dem äußerst fundierten und spannenden Vortrag entstand eine ausgiebige Diskussion mit den anwesenden Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 12 und 13. Hier wurden von Schülerseite insbesondere die moralische Frage militärischer Vorgehensweisen hinterfragt – teils im Kontrast zu den völkerrechtlichen Erläuterungen Steffen Hagemanns. Die zahlreichen erhobenen Finger, als der Gong zur Pause läutete, zeigten, dass dieses Thema auf ein großes Interesse stieß und die Anwesenden gern noch weiter mit Dr. Hagemann diskutiert hätten.

Cord Wilhelm Kiel

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