2019 ist ein Jahr zahlreicher Jubiläen: Mondlandung 1969, Mauerfall 1989 – und am Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) das Jahr, in dem dreißig Jahre Schüleraustausch und 20 Jahre Betriebspraktikum mit der Partnerschule Fénelon Sainte-Marie La Plaine Monceau in Paris zu feiern sind. Anlässlich dieser runden Geburtstage – zu denen noch das 150jährige Bestehen des College Fénelon dazu kommt – gab es am 5. Dezember eine Feierstunde in der Aula des AEG, bei der auf viele Erinnerungen und gute Kontakte aus dreißig Jahren zurückgeblickt wurde.

 

Unter dem Titel „Deutsch-französische Freundschaft – ein langes und bewegendes Kapitel!“ blickte die kommissarische AEG-Schulleiterin Bettina Schröder-Brautlecht nicht nur auf die Schulpartnerschaft, sondern auch auf den Elysee-Vertrag und die Baumeister der europäischen Einigung, Konrad Adenauer und Charles de Gaulle, zurück. „Nach langen Jahren der Kriege und der Feindschaft, einer wahrlich wechselhaften Geschichte haben wir nun schon lange nicht nur Frieden, sondern eine privilegierte Partnerschaft und Freundschaft zwischen unseren Ländern. Ich denke, dass man das gar genug schätzen kann!“ Schröder-Brautlecht dankte François Combescure und Wolfgang Weber für die Vertragsschließung und die wohlwollende Begleitung der Aktivitäten zwischen dem groupe scolaire Fénelon in Paris und dem Albert-Einstein-Gymnasium in Hameln.

 

„Initiator des Ganzen und aufopfernder und auch durchaus hartnäckiger Begleiter war allerdings Herr OStR i. R. Rainer Dannenberg“, bekräftigte die stellvertretende Schulleiterin, die selbst Französisch unterrichtet. Weitere verdiente Mitstreiter und Organisatoren der drei Austausche waren auf französischer Seite Christine Hoppenot (1989/90), Nicole Pelletier (1992-2001), Christelle Ruanlt (2001-2004), Sylvie Hamon (2004-2009), Laurence Panthier (ab 2009), Hélène Walker und Camille Refour. Vor allen Dingen wurde die beim Festakt anwesende und als Übersetzerin tätige Catherine Bourgeon-Damour als maßgebliche Pädagogin auf französischer Seite mit großem Applaus bedacht. Auf deutscher Seite sind in verantwortlicher Funktion nach Rainer Dannenberg Arno Krebbel und Karin Hänel, die den Austausch aktuell betreut, als treibende Kräfte der Schulpartnerschaft zu nennen. Seit drei Jahren erhält auch das Vikilu, das durch Schulleiter Michael Glaubitz und Koordinator Sönke Koß beim Festakt vertreten war, Austauschschüler vom College Fenelon.

 

Oberbürgermeister Claudio Griese sprach seinen Dank an die beteiligten Schulen aus und betonte: „Beide Länder – Deutschland und Frankreich – gehören zusammen“. Griese verwies auf die inzwischen auch 50jährige Partnerschaft der Rattenfängerstadt mit dem französischen St. Maur, die 2018 gefeiert wurde – „in dem Jahr, in dem der Erste Weltkrieg 100 Jahre beendet war“.  Ebenso verwies er auf Hugenotten, die vor 300 Jahren nach Hameln gekommen waren und deren nachfahren noch heute hier lebten. Dies zeige, dass es „Wanderungen schon immer gegeben hat“ und der der Kontakt zu Frankreich gerade in der heimischen Region sehr eng sei.

 

„Seit 1989 sind jährlich etwa 25 französische Achtklässlerinnen und Achtklässler zu uns nach Hameln gekommen, und 25 unserer Achtklässler sind nach Paris gereist. Das sind insgesamt 30 mal 25 mal 2, also 1500 junge Leute, die nicht nur über die deutsch-französische Freundschaft geredet, sondern diese Freundschaft gelebt haben und sie oftmals immer noch leben“, bilanzierte Arno Krebbel. Er war seit 1981 Lehrer für Französisch und Mathematik am Albert-Einstein-Gymnasium und von 2010 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2017 verantwortlich für die Schüleraustausche mit dem Collège und Lycée Fénelon Sainte-Marie in Paris. „Das sind 1500 solide Fundamente für das Verständnis zweier so unterschiedlicher Völker. Das sind 1500 stabile Fundamente für ein Europa des Dialogs und der Zusammenarbeit. Und wenn man die Familien der Austauschpartner mitzählt, dann sind dies über 7000 Personen, die sich über Grenzen hinweg im Rahmen unseres Schüleraustausches neu kennen gelernt haben.“

 

Der Austausch funktioniere, „weil wir etwas anzubieten haben. Und wir tauschen aus, weil wir bereit sind, etwas anzunehmen. Wir bieten kleinstädtische oder gar dörfliche Gemütlichkeit und beschauliche Kultur und empfangen weltstädtisches Flair und allumfassende Betriebsamkeit.“ Hameln biete ein meist traditionell strukturiertes Familienleben und empfange straff organisierten Alltag umgeben von der Hektik der Großstadt. „Wir bieten den Klütturm und lernen dafür den Eiffelturm kennen“, sagte Krebbel mit einem Schmunzeln, der auch auf die „offene, manchmal wuselige Atmosphäre unseres kleinen, aber feinen Gymnasiums im Grünen“ im Kontrast zu einer hoch disziplinierten Schulwelt einer gefragten Privatschule im gut situierten 8. Pariser Stadtbezirk verwies. Austausch bedeute Geben und Nehmen, was so wichtig sei in einer Welt, die unübersichtlicher werde und deshalb zu neuer Enge einlade.

 

Auf „zwanzig 20 Jahre Betriebspraktikum“ blickte Rainer Dannenberg zurück, von 1976 bis zum Jahr 2010 am AEG als Lehrer in den Fächern Politik und Französisch tätig. Er sei wohl derjenige, der das Betriebspraktikum in Paris initiiert und „durchaus hartnäckig begleitet“ habe, meinte Dannenberg, der auch nach seiner Pensionierung im Jahr 2010 bis heute im Rahmen des Schüleraustausches das Betriebspraktikum in Paris und Hameln betreut – allerdings im kommenden Jahr diese Tätigkeit an Dr. Matthias Loeding abgeben wird. „Wir reden über ungefähr 400 Schülerinnen und Schüler der zehnten und elften Klassen und über 200 Betriebe seit der Premiere im Schuljahr 1999-2000“, so Dannenberg. „Unsere Praktikanten kehren dabei nicht immer in die Gastfamilien zurück, die sie bereits aus vorausgegangenen Austauschen kennen. Sie haben auch nicht mehr die vertrauten Klassenkameraden um sich herum, wie während des vierwöchigen Schulpraktikums der neunten Klassen.“ Doch die AEG-Praktikanten kämen nicht unvorbereitet nach Paris und sind auch nicht sich selbst überlassen. „Im Gegenteil, sie betreten ihre Betriebe selten durch den Personaleingang, sondern oft sozusagen über die Chefetage“, unterstrich Rainer Dannenberg. „Die Gastfamilien des Fénelon eröffnen durch ihre Berufe und Kontakte oft Praktika, die sich dem Hamelner Kleinstädter oder dem Bewohner der umliegenden Gemeinden normalerweise nicht erschließen.“

 

Umrahmt wurde die Feierstunde vom Orchester des Albert-Einstein-Gymnasiums unter der Leitung von Maren Dörner und von der gekonnten Moderation der AEG-Schülerin Gesa von Blanckenburg. AEG-Schüler berichteten vom aktuellen Austausch, gemeinsam wurden die deutsche und die französische Nationalhymne gesungen. Die Deutsch-Französische Gesellschaft mit einem Sketch, der „Directeur générale“ des College Fénelon, François Combescure mit einer Videobotschaft („wichtig ist, dass an meiner Schule neben Englisch und Spanisch auch Deutsch weiterhin gelernt wird“) sowie Filmeinspielungen mit Passantenbefragungen über die Kenntnis der Hymne des jeweils anderes Landes rundeten einen sehr gelungenen Abend, der seine Fortsetzung in einem leckeren Büffet und vielen Gesprächen fand, ab.

 

Wir danken nochmals allen Gastfamilien für die Aufnahme der Schülerinnen und Schüler bei sich zu Hause. Ohne dieses Engagement wäre der Austausch in den dreißig Jahren nicht möglich gewesen! Wir danken auch Frau Forst und Frau Albers für die nette Betreuung der Gäste am Vikilu.

Cord Wilhelm Kiel

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