Ausstellungen/Aktuelles - Kunst

Am Sonnabend, dem 14. Februar wurde im Rahmen einer Vernissage im „Haus der Kirche“ die Ausstellung der Arbeiten von Schülerinnen und Schülern der Kunstbegabungsförderung Region Hameln feierlich eröffnet. Bis zum 26. Februar sind dort die besten Arbeiten von Schülerinnen und Schülern des Albert-Einstein-Gymnasiums, des Schiller-Gymnasiums, der KGS Salzhemmendorf, des Viktoria-Luise-Gymnasiums und des Humboldt-Gymnasiums Bad Pyrmont zu sehen.

Werke verschiedenster Techniken und Stilrichtungen gibt es zu bestaunen. Vom Albert-Einstein-Gymnasium sind Werke von Lisa Hartkopf, Madita Kloß, Gizem Kocaman und Min-Suk Lee ausgestellt. Auf Initiative der Hamelner Markt- und Münsterkirchengemeinden erhalten seit einigen Jahren besonders begabte Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre im Rahmen der Kunstbegabungsförderung erstellten Arbeiten zu präsentieren.

Die Kunstbegabungsförderung wurde im Jahr 2010 ins Leben gerufen und richtet sich an besonders leistungsorientierte, aufgeschlossene und interessierte Schülerinnen und Schüler und bietet ihnen in einem Experimentierfeld die gesamte Vielfalt künstlerischer Ausdrucksmittel. Die Kunstbegabungsförderung des aktuellen Durchgangs fand im Rahmen von thematischen Kursen und Projekten an den Hamelner Gymnasien über zwei Jahre einmal monatlich ganztätig immer an einem Samstag – also am Wochenende – statt. Daher wurde von den Teilnehmern neben Interesse und Freude am Gestalten auch Engagement, Ausdauer und Leistungsbereitschaft gefordert.

Die Ausstellungseröffnung erlebte einen großen Besucherandrang. Eine Künstlerin durfte sich dabei besonders freuen. Gizem Kocaman fand für eines ihrer Bilder spontan einen Käufer: AEG-Lehrer Dr. Matthias Loeding belohnte das Engagement der talentierten Schülerin mit dem Erwerb eines ihrer Bilder.

Schülerarbeiten des AEG und neue Dokumentation zu den Opfern des Hamelner Zuchthauses

EroeffnungWeberHameln. Zur Eröffnung der Ausstellung „Unbeweint begraben“ mit Schülerentwürfen zur Gestaltung des Gräberfeldes C I – des Begräbnisortes der Toten des Zuchthauses Hameln auf dem Friedhof Am Wehl – hatten sich am Donnerstag hochrangige Gäste in der Kleinen Pausenhalle des Albert-Einstein-Gymnasiums eingefunden. Neben Vertretern der Stadt, des Landkreises, des Innenministeriums und von verschiedenen Verbänden nutzten zahlreiche Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, die interessanten und sehr vielschichtigen Entwürfe in Augenschein zu nehmen. Des Weiteren stellte der ehemalige AEG-Geschichtslehrer Bernhard Gelderblom, der sich überregional einen Namen als Experte für die Historie Hamelns gemacht hat, seine neue Dokumentation „Die vergessenen NS-Opfer des Zuchthauses Hameln“ vor. Auszüge aus dieser Veröffentlichung finden sich in großformatigen Bildern und Texten auf Stellwänden, welche die Schülerarbeiten ergänzend einrahmen.

SchuelerinnenAEG-Schulleiter Wolfgang Weber hob in seiner Begrüßung die Rolle Gelderbloms, der schon im Jahr 2004 erstmals die komplexe Geschichte des Hamelner Gefängnisses dargestellt hatte, hervor und betonte, wie bedeutsam und gewinnbringend fachübergreifende Projekt- und Seminarfacharbeit und historische Forschung am Albert-Einstein-Gymnasium sind. Die Ausstellung gehört zu einem Projekt des Vereins für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln e.V. mit dem Titel „Bürger aus den Benelux-Staaten als NS-Verfolgte im Zuchthaus Hameln 1942-1945“. Dieses Projekt wird durch das EU-Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ und die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten unterstützt. Im November sorgte bereits der Besuch Piet Mathijsens am AEG, eines ehemaligen Insassen des Hamelner Zuchthauses, für Schlagzeilen. Jener Besuch war von der Weltpremiere eines Dokumentarfilms über das Schicksal des Niederländers begleitet worden.

Als sich im Zuchthaus Hameln seit 1944 die Lebensbedingungen der Häftlinge wegen verschärfter Arbeitsbedingungen, mangelnder Ernährung und katastrophaler Überbelegung immer mehr verschlechterten, stieg die Zahl der Toten steil an. Im Sommer 1944 beschloss die Friedhofsverwaltung, für die Toten des Zuchthauses ein gesondertes Gräberfeld anzulegen. Sie wählte dazu das ganz abseitig gelegene Feld C I. Von Dezember 1944 bis Juni 1945 wurden auf diesem Feld insgesamt 180 Tote bestattet, ohne Sarg und nicht selten zu zweit in einem Grab. Die Gräber waren nur durch aufgeschüttete, mit Efeu bepflanzte Grabhügel kenntlich. „Unbeweint begraben waren und sind diese Toten“, kommentierte dies Bernhard Gelderblom. „In den 1950er Jahren kam es zu Umbettungen des größeren Teils der ausländischen Toten. In Unkenntnis der Tatsache, dass auf dem Feld C I Personen liegen, die unter den Schutz des Kriegsgräbergesetzes fallen, also dauerndes Ruherecht genießen, ließ die Stadt das Gräberfeld 1976 einebnen.“ Seitdem verwilderte das Feld.

GelderblomIm Jahr 2005 erforschten dann Schüler eines Leistungskurses Geschichte des Albert-Einstein-Gymnasiums die Geschichte des Gräberfeldes und machten, unterstützt vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, das Feld durch eine Tafel kenntlich. 2006 richteten Jugendliche im Rahmen eines internationalen Jugendlagers des Volksbundes die verwilderte Fläche wieder her. Seit Beginn des Schuljahres 2013/14 haben sich Schülerinnen und Schüler des Seminarfaches Kunst am Albert-Einstein-Gymnasium zum Thema „Bilder im Blick“ in Jahrgang 12 mit ihrem Lehrer Gunnar Schwandt der Aufgabe gestellt, das Gräberfeld künstlerisch zu gestalten, um es zu einem Gedenkort für diese Opfer des Nationalsozialismus zu machen. In der Ausstellung, die nun auch für die interessierte Öffentlichkeit freigegeben und in der kleinen Pausenhalle des AEG im ersten Obergeschoss zu sehen ist, werden 17 Entwürfe vorgestellt.

Bürgermeisterin Sylke Keil (CDU) bezog sich auf das Gräberfeld am Wehl mit den Worten „es ist Gras über die Sache gewachsen – und das kann man wörtlich nehmen“. Die Schülerarbeiten zur Gestaltung des Feldes seien „keine Entwürfe zu einem x-beliebigem theoretischen Thema“. Als Vertreter des Landkreises hob Karl-Heinz Brandt (SPD) das Engagement der AEG-Schüler hervor: „Ihre Arbeiten helfen, den Opfern ihre Würde wiederzugeben“. Dieser Einsatz verlange „Respekt und Unterstützung“, urteilte auch Joachim Puppel vom Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport. Ottmar Strehler vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ergänzte, dass sein Verband sich eben nicht nur um die Pflege und Verwaltung von Kriegsgräbern, sondern auch um Bildungsarbeit kümmere. Jetzt liegt es an Verwaltung und Politik, den Wunsch der beteiligten Schülerinnen und Schüler auch umzusetzen – stellvertretend für ihren Kurs sagten Galina Kaiser und Nicole Neufeld: „Wir hoffen, dass das Ergebnis unserer Arbeit realisiert und ein würdiges Grabfeld errichtet wird.“

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