Bundesweiter Vorlesetag – auch am AEG

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Fantasy, Abenteuerroman, Krimi... zum zweiten Mal haben uns wir am Bundesweiten Vorlesetag der „Stiftung Lesen" am dritten Freitag im November (20.11.2015) beteiligt. Die meisten Klassen der Mittelstufen bekamen an diesem Tag vorgelesen. Einige Beispiele: Frau Behrendt und Frau von Harten aus der Stadtbibliothek begeisterten die Klassen 7B  und 8Fb mit den Jugendromanen „So rot wie Blut" von Salla Simukka und „Travis Delaney" von Kevin Brooks. Frau von Hörsten trug in der 6FLb über den Trojanischen Krieg vor. Die Stadträtin Bettina Schultze las in der 9Fc aus den „Känguru-Chroniken" von Marc-Uwe Kling vor, während der Landtagsabgeordnete Otto Deppmeyer für die 10Fc  ein Buch von Stefan Zweig ausgesucht hatte.

Der Bundesweite Vorlesetag ist nicht zu verwechseln mit dem Vorlesewettbewerb der 6.Klassen, der alljährlich im Dezember stattfindet. Er wird von der „Stiftung Lesen" zusammen mit der „Deutschen Bahn AG" und der „Zeit -Stiftung" immer am 3. Freitag im November veranstaltet, um die Freude am Lesen und am Geschichten-Hören zu fördern. Allen Beteiligten hat es viel Spaß gemacht und so werden wir uns auch beim nächsten Bundesweiten Vorlesetag am 18.11.2016 wieder beteiligen.

 
Interview mit Shi Wenli
nach drei Wochen Aufenthalt am Albert-Einstein-Gymnasium

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Currywurst-Essen in der Autostadt in Wolfsburg

Wenli, nun sind die drei Wochen, in denen du hier am Albert-Einstein-Gymnasium zu Gast warst, zu Ende. Inwieweit haben sich deine Erwartungen an den Aufenthalt in Deutschland erfüllt?

Ich bin ja mit der Hoffnung nach Deutschland gereist, hier meine Kenntnisse über das Land und auch meine Sprachkenntnisse erweitern zu können. Diese Erwartungen wurden voll und ganz erfüllt. Ich spreche jetzt schneller als zuvor und konnte auch einige interessante Beobachtungen machen. So habe ich z. B. festgestellt, dass das Passiv im Deutschen sehr viel häufiger verwendet wird, als ich dachte. Außerdem ist sehr auffällig, dass die Deutschen das, was sie sagen möchten, oft zunächst mit einer Redeeinleitung beginnen, z. B. „Ich habe mir überlegt, dass wir…“ oder  „Was hältst du davon, wenn wir...?“. Die Deutschen bilden sehr lange Sätze und benutzen viele Floskeln. Ich habe den Eindruck, dass sich die Chinesen direkter und auch knapper, in kürzeren Sätzen ausdrücken.

Ich habe natürlich auch viele neue Wörter gelernt und festgestellt, dass die deutsche Sprache einen deutlich größeren Wortschatz hat, als mir vorher bewusst war. So gibt es z. B. sehr viele verschiedene Ausdrücke für das Wort englische Wort „touch“, z. B. „tasten“, „fühlen“, „berühren“, „anfassen“, „streicheln“ etc. Die Sprache ist so variantenreich, dass man sich sehr präzise ausdrücken kann. Schwierig ist es für mich nach wie vor, die Wörter richtig zu deklinieren. Doch die Deutschen sind diesbezüglich sehr tolerant. Dafür empfinde ich großen Respekt.

Du hast ja sehr viel Zeit in der Schule, d h. im Unterricht, im Lehrerzimmer, in der Mensa, in Arbeitsgemeinschaften, beim Lehrersport etc. verbracht und hast auch an verschiedenen Aktivitäten außerhalb des Unterrichts teilnehmen können. Welchen Eindruck hast du gewonnen?

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Theater-Workshop im Rahmen 
des Comenius-Projekts

Das deutsche Schulsystem gefällt mir sehr gut, weil es den jungen Menschen Raum bietet, sich zu entwickeln. Die Schülerinnen und Schüler werden im Unterricht zum selbstständigen Denken angeregt, so müssen sie z. B. die Erklärungen für Fachbegriffe selbst finden und formulieren. Mir ist auch aufgefallen, dass die Schule eine gute Beziehung zum Theater Hameln hat. Die Schülerinnen und Schüler können so die Werke, die sie im Unterricht behandeln, auch auf der Bühne sehen. Das finde ich sehr gut. In der dritten Woche meines Aufenthalts hatte ich die Gelegenheit, Einblicke in das Comenius-Projekt zu gewinnen. Schüler(innen) und Lehrer(innen) aus sieben europäischen Ländern waren am AEG zu Gast und ich konnte an ihrem Programm teilnehmen. Das war eine wunderbare Erfahrung für mich. Ich habe erlebt, dass es zwischen den europäischen Ländern Unterschiede gibt. Besonders beeindruckt mich, dass die Europäer, die ich kennengelernt habe, sehr tolerant und offen sind.

Durch die Comenius-Ausflüge, aber auch durch die vielen Aktivitäten, die du mit Lehrerinnen und Lehrern der Schule in der Freizeit unternehmen konntest, hast du auch Land und Leute besser kennenlernen können…

Ich bin überrascht davon, wie viel Wert die Deutschen darauf legen, historische Gebäude zu erhalten und Traditionen zu wahren. Das ist mir sicher besonders aufgefallen, weil ich fast täglich die Altstadt Hamelns mit den vielen schönen, alten Häusern gesehen habe. Historische Gebäude werden in China nur für touristische Zwecke genutzt. Sie befinden sich in Staatsbesitz, niemand darf sie privat besitzen oder nutzen. Ich hatte jedoch bei meinem Besuch in der Autostadt in Wolfsburg auch Gelegenheit, das moderne Deutschland zu sehen. Ich habe meinen Freunden Fotos aus verschiedenen Altstädten, z. B. aus Hameln, Hildesheim und Braunschweig geschickt. Sie wollten nicht glauben, dass das wirklich Fotos aus Deutschland sind. Das passt nicht zur ihrer Vorstellung von diesem Land, weil bei uns nur über Deutschland berichtet wird, wenn etwas Neues entwickelt oder entdeckt wurde. In China weiß man mehr über die deutsche Wirtschaft als über deutsche Kultur und Geschichte. Über den Tag der deutschen Einheit wird in China allerdings jedes Jahr in den staatlichen Nachrichten berichtet. 
Die Landschaft ist wunderschön. Ich denke, dass viele Chinesen davon träumen, in einer so schönen Landschaft zu leben. Die Werbung für Immobilien arbeitet in China mit solchen Landschaftsbildern.

Vor allem durch das Zusammensein mit deiner Gastfamilie konntest du auch das Alltags- und Familienleben in Deutschland erleben. Haben sich deine bisherigen Vorstellungen bestätigt?

Vor meinem Besuch fragte ich mich, wie die Familien am Wochenende ihre Zeit verbringen. Ich habe festgestellt, dass sie oft zu Hause bleiben und mit der Familie zusammen sind. Jetzt weiß ich, dass das Familienleben für die Deutschen sehr wichtig ist. In China herrscht das Vorurteil, dass die Europäer das Familienleben nicht so wichtig finden. Das könnte daran liegen, dass wir den Eindruck haben, die Europäer hätten einen starken Freiheitsdrang und es falle ihnen schwerer, treu zu sein. Allerdings muss man einwenden, dass die Scheidungsrate in China inzwischen auch steigt. Früher gab es bei uns gar kein Wort für „Scheidung“ – der Begriff kam aus der westlichen Welt zu uns. 
Das Auto ist hier im Alltagsleben sehr wichtig. Viele Menschen müssen mit dem Auto zur Arbeit fahren. Ein bisschen schade finde ich, dass man am Sonntag nicht einkaufen gehen kann, so wie es in China üblich ist.
Als sehr ungewöhnlich empfinde ich es, dass die Deutschen auch ihre privaten Kontakte „organisieren“, d. h. man macht „Termine“ mit Familienmitgliedern und Freunden. Bei uns besucht man sich spontan. Kalender werden in China vor allem von Geschäftsleuten genutzt, für private Termine nutzt man sie nicht so intensiv, man trägt nur sehr wichtige Termine in einen Kalender ein. Allerdings passiert es deshalb bei uns auch häufiger mal, dass man etwas verpasst oder vergisst.
Sehr beeindruckt bin ich von der Einrichtung der Küchen: Alle Geräte, die man sich nur denken kann, sind vorhanden und zudem ist alles bestens sortiert, so dass man bei Bedarf alles sofort zur Hand hat.

Wie beurteilst du abschließend deine Teilnahme am Hospitationsprogramm der Kultusministerkonferenz?

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Abschiedstreffen auf dem Weihnachtsmarkt in Hameln

Am Hospitationsprogramm teilzunehmen, ist für eine Chinesin wirklich eine sehr wertvolle Chance, das „echte“ deutsche Leben kennenzulernen. In ein Land zu reisen, ist das allerbeste Mittel, um Vorurteile abzubauen. So habe ich z. B. vor meiner Reise gedacht, dass die Deutschen sehr ernst und verschlossen seien – so wird es uns nämlich von unserem Deutsch-Professor in China vermittelt. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass die Deutschen sehr offen und freundlich sind.

Ich danke allen, denen ich in Deutschland begegnet bin und die mich während meines Aufenthaltes begleitet haben. Sie haben mir ermöglicht, hier eine tolle Zeit zu verbringen. So vielfältige Eindrücke kann man nicht gewinnen, wenn man als „normaler“ Tourist nach Deutschland reist. Herzlichen Dank dafür, dass ich mich in Hameln wie zu Hause fühlen durfte! Mein besonderer Dank gilt Ellen Gritzka und ihrer Familie. Ich habe mich bei ihnen sehr, sehr wohl gefühlt. Sie waren nicht nur wunderbare Gastgeber, sondern auch meine besten Deutschlehrer.

Wir freuen uns, dass du die Zeit am Albert-Einstein-Gymnasium als wertvolle Erfahrung erlebt hast! Für uns war das Zusammensein mit dir ebenfalls eine große Bereicherung: Wir haben viel über das Leben in China erfahren und mit großem Erstaunen gehört, wie wir Deutschen im fernen China wahrgenommen werden. Und – last but not least: Wir haben eine sehr sympathische, fröhliche, aufgeschlossene Chinesin kennenlernen dürfen!

Interview: Bettina Tovar-Luthin

 

Gastlehrerin aus China am AEG
Wir freuen uns sehr, dass Shi Wenli als Gastlehrerin aus China für drei Wochen zu Besuch am Albert-Einstein-Gymnasium ist. Hier stellt Sie sich Ihnen ausführlich vor.

Hallo, ich bin Shi Wenli, komme aus Yuxi im Südwesten Chinas und bin 24 Jahre alt. Ich bin als Gastlehrerin für drei Wochen am Albert-Einstein-Gymnasium. In China bin ich als Deutschlehrerin in einer Mittelschule tätig. Allerdings war ich bislang noch nie in Deutschland. Damit ich meine Schüler(innen) noch besser unterrichten kann, möchte ich meine Deutschkenntnisse und meine landeskundlichen Kenntnisse über Deutschland noch erweitern und verbessern. Ich nehme an einem Hospitationsprogramm der Kultusministerkonferenz für Deutschlehrer im Ausland teil. 
Hier am Albert-Einstein-Gymnasium besuche ich den Unterricht und berichte dort auch aus meiner Heimat. Ich wohne zurzeit bei Frau Gritzka. Dort habe ich die Möglichkeit, auch das Familien- und Alltagsleben in Deutschland kennenzulernen und mit vielen Menschen zu sprechen. 
Meine ersten Eindrücke: Hier ist es sehr kalt! Aber die Menschen sind warmherzig. Ich wusste schon vor meiner Reise, dass Deutschland nicht so dicht besiedelt wie meine Heimatprovinz ist. Aber es gibt hier noch viel weniger Menschen, als ich mir vor der Reise vorstellte. Außerdem fällt mir auf, dass hier alles sehr gut organisiert ist. Für mich ist es auch sehr ungewöhnlich, dass die Schüler(innen) im Klassenraum nicht alle in einer Reihe sitzen und in Richtung Tafel blicken. Bei uns sind etwa 50 bis 60 Schüler(innen) in einer Klasse, wobei die Räume nicht größer als hier sind. Im Deutschunterricht ist es jedoch anders: Die deutsche Regierung hat eine Vereinbarung mit China getroffen, dass in den Deutsch-Klassen maximal 30 Schüler(innen) sein dürfen. Meine Schüler(innen) lernen Deutsch als erste Fremdsprache, die übrigen lernen Englisch als erste Fremdsprache. Wir haben in jedem Jahrgang ca. 20 Klassen, aber nur eine Deutsch-Klasse, obwohl viel mehr Schüler(innen) gern Deutsch lernen würden. Die Deutsch-Klassen werden von der deutschen Kultusministerkonferenz sehr stark unterstützt. Wir bekommen viele Materialien und die Schüler(innen) können an Wettbewerben teilnehmen. Die Schüler(innen) in den Deutsch-Klassen stehen unter hohem Leistungsdruck, aber sie haben auch sehr gute Chancen.

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