Provence-Fahrten

Ein Wochenendseminar am 30.04.2002 stimmt auf die Fahrt ein (Lehrerreferate, Routenplanungen). Die Fahrtkosten (Bahn, Vollverpflegung, Unterkunft, Programm, Abschlussessen im Restaurant in Avignon, Provence-Führer, Fahrrad-Pauschale) belaufen sich auf 385,00 Euro.
Es nehmen 23 Schüler(innen) teil. Sie werden von 3 Lehrern begleitet.
Herr Dannenberg und 3 ausgewählte 'Mechaniker' fahren im anerkannten 'Dienstwagen' zwei Tage vorher in die Provence und transportieren Zelte, Kocher, Töpfe, private Helme und private Sättel.

Gruppe Dannenberg

Anne Ullmann, Cornelia Flörcke, Salka Blötz, Dana Brandt, Jamila Adler, Christian Lins, Ralf Nagel, Lukas Wehrmann, Rainer Dannenberg

Der folgende Fahrtbericht beruht im Wesentlichen auf Teilnehmerbeiträgen eines handschriftlichen Gruppentagebuches der Gruppe Dannenberg. Es ist 2002 zeitnah vor Ort in der Provence entstanden. Ein Tagesbericht wurde 2003 in Maschinenschrift nachgereicht.
 

Stationen, Erlebnisse, Erfahrungen

Sonntag, 19.05.
Pfingsten

Ganztagesfahrt. 06.34 Uhr Abfahrt in Hameln. Umsteigen in Hannover, Karlsruhe und Straßburg. Durch die burgundische Pforte. Nahverkehrs- zug ab Lyon Part-Dieu. Ankunft in Orange um 21.32 Uhr.

„Herr Dannenberg hat mit seinen Helfern die Fahrräder am Bahnhof vorbereitet. Übernahme und Beladen der Räder. Dann eine schöne Fahrt durch das nächtliche Orange zum Touristenhotel Formule 1. Versorgung aus dem Gepäck. Dafür gibt es noch einmal ein Bett.“

(aus: Fahrtbericht Gruppe Berle)

Montag, 20.05.
Pfingsten

Frühstück à la Formule 1. Reparieren, aufsatteln und anrollen.

Durch Orange im „Entenmarsch“. Ehe sich die Kolonne aus 26 Rädern formieren kann, setzt sie alle Verkehrsregeln außer Kraft, überfährt rote Ampeln und „verursacht damit ein totales Verkehrschaos“.

Römischer Triumphbogen. Dr. Wais gibt zu verstehen, dass hiermit den Galliern gezeigt wurde, „wer der Herr im Haus ist“. Bild

„Das Chlorwasser aus dem Hotel wird schnell in klares Brunnenwasser eingetauscht.“

Römisches Theater. Herr Dannenberg bewacht draußen die Räder, Herr Dr. Wais spricht innen von Augustus. Bild „Zwei faszinierte, ältere Damen himmelten ihn geradezu an und wären ihm wohl am liebsten gefolgt“.

Auf der Theaterbühne formiert sich inzwischen, gegen den Widerstand der Aufsicht, eine '12'. Bild Vielleicht ein fataler Irrtum, denn es war erst die 11. Fahrt und die 12. würde nie stattfinden.
Die drei Gruppen fahren auf getrennten Routen weiter.

Vorausschauend kaufen wir frische Baguettes. Bereits nach 5 km erwartet uns in der Domaine Chastan eine Weinprobe der Appelation Châteauneuf-du-Pape . Wir erwerben eine Flasche zu 10 Euro.

Wir überqueren die Rhône bei Roquemaure. Eine lange Steigung auf der D976 führt uns parallel zur Autobahn A9 (Languedocienne) über Rochefort-du-Gard bis auf die N100. Hektischer Feierabendverkehr und Hupkonzerte begleiten unsere Schussfahrt nach Remoulins.

Kühlendes Bad im Gardon auf dem Campingplatz La Sousta***.

Duschen. Abendessen aus den Restbeständen (Miraculi).

„Wunderschöne Abenddämmerung“ oberhalb des Pont du Gard. 04

Der Aquädukt ist nicht mehr begehbar. Ein seitlicher „Höhlengang“ erweist sich als Sackgasse.

„Gemütlich bei Kerzenschein zusammengesessen“ vor einer „schweinekalten“ Nacht.

44,97 km zurückgelegt - 2:52 Std. gefahren - 42 km/h maximal gemessen.

Dienstag, 21.05.

Die „Jungs“ wecken sich selbstlos zu früher Stunde und sorgen für Frühstück. Die Morgentoilette findet 10 km entfernt in Collias und im Gardon statt. Denn hier beginnt unsere Paddel-Tour mit 'Kayak Vert'. „Einschub“ um 09.45 Uhr. Unsere Flotte besteht aus vier Zweiern und einem Einer (Cornelia-Anne, Ralf-Christian, Herr Dannenberg-Salka, Dana-Jamila, Lukas). Nach Stromschnellen, Sandbänken, Kollisionen und Foto-Pausen erfolgt als „wundervolles Finale die Subduktion des Pont du Gard bei strahlendem Sonnenschein und klarstem Wasser“. 05 Zeltabbau. Abfahrt in Richtung Arles auf Nebenstrecken. Obsthaine („apfelgleiche Aprikosen“) halten auf. Eispause bei 'Champion' in Bellegarde. Ergänzung der Wasservorräte am Dorfbrunnen. 06 Picknick im Halbschatten auf den Stufen der Wallfahrtskirche von St-Gilles. 07 Sogar Schokoladenkuchen.

Führung auf Französisch am Grab des Heiligen Ägidius. Herr Dannenberg übersetzt in „ausgezeichnetem Deutsch“.

Wir entfliehen gegen 18.00 Uhr dem Labyrinth der Einbahnstraßen von St-Gilles in Richtung Camargue, diesmal „unter Einhaltung der StVO“. Flachetappe 08 09, vorbei an Stierherden und Reiskulturen. Späte Ankunft in Arles, Stadtdurchfahrt im belebten Abendverkehr, Wiederanstieg zum Pont de Crau, Campingplatz 'Les Rosiers'. Großeinkauf im 'Casino Géant'. „Superleckere“ Ratatouille mit Reis. Anne und Jamila überwinden spätabends das videoüberwachte Eingangstor!?

60,82 km zurückgelegt - 4:02 Std. gefahren - 34 km/h maximal gemessen

Mittwoch, 22.05.

Kurzer Regenschauer am Morgen.. Besichtigung der provenzalischen Metropole Arles. Gruppenfoto auf den Bögen des Amphitheaters, hoch über der Stadt. 10 Römisches Theater. Wir setzen den skrupellosen Mord an Königin Salka szenisch um. 11

Später Nachmittag auf den 'Alyscamps', der Allee der Sarkophage. 12 In der Kirche St. Honorat lassen wir dreistimmig 'Heo, spann den Wagen an ...' erklingen. Für Abergläubische mit „verheerenden Folgen“ am nächsten Tag.

Danach Crêpes. Am Ufer der Rhône. Auf dem Forumsplatz. Abgerundet wurde der Tag durch „ein Gericht der Superlative, nämlich Putenbrust in Zwiebel-Sahnesoße, Bandnudeln, Mousse au chocolat, zubereitet von unserem Captain. Mhhmm!“.

Donnerstag, 23.05.

„Tatsächlich hatte der Wind Regen übers Land getrieben... Der komplette Zeltplatz stand unter Wasser. Kleidungsstücke, Schuhe und Schlafsäcke waren durchnässt.“

Wir frühstücken im Tischtennisraum am Swimmingpool. 13

Kurze Zeit später hellen sich Himmel und Stimmung wieder auf. 14

Wir fahren eine vermeintliche Abkürzung und enden in der Nähe des Aquädukts von Barbegal im Schlamm. 15 Salka springt die Kette ab. „Nichts geht mehr.“ Ein Bauer hält uns, eher widerwillig, den Wasser- schlauch an die Räder. Das kostbare Nass wollte er selbst kontrollieren. Schnell vorbei an der Mühle von Daudet, „denn der Berg ruft“. In einem ehemaligen Bauxit-Steinbruch, hoch oben in den Alpilles, besuchen wir die Cathédrale d'Images. In überwältigender Akustik entstehen auf überdimensionalen Wandflächen „faszinierende Bild- und Tonimpressionen“. Im Programm: 'Portraits de Chine' Unterhalb, auf einem Bergrücken der Alpilles-Kette, erreichen wir Les Baux. „Malerisches, aber leider überteuertes Touristenstädtchen.“ Oberhalb der verstopften Gassen genießen wir, menschenleer, den weiten Blick von den Ruinen der 'Toten Stadt'.

Schussfahrt zurück. Alle schreien. Kette ab. Über Paradou nach Arles in 90 Minuten.Wir blockieren die Türen eines 'Aldi-Marché'. Abends Rührei, Kartoffelbrei, Salat, 1 Liter Joghurt mit Aprikosen.

54 km zurückgelegt . Bei 57 km/h fiel der Geschwindigkeitsmesser in les Baux aus.

Freitag, 24.05.

Gleichzeitig Zeltabbau und freies Frühstücken.

Wir umgehen Arles östlich auf der kreiselreichen D570, biegen ab in Richtung St-Etienne-du-Grès und fahren nördlich am Fuß der Alpilles bis St-Rémy-de-Provence. Wiedersehen bei 'Les Antiques' mit den Gruppen Berle und Dr. Wais. „Es bestand jedoch kein großer Kommunikationsbedarf.“ Mittagspause auf den Stufen des Mausoleums. 16

Wir werden von einer deutschen Reisegruppe „üppig“ versorgt. Besichtigung der Ausgrabungsstätte von Glanum in „praller Sonne“. Einzelportraits unserer Gruppenteilnehmer für die Fotogalerie (s.u.). Über die vielbefahrene, von uralten Platanen begrenzte D99 weiter über Cavaillon (Eispause) nach Maubec, am Nordhang des Petit Luberon. Zur Abwechslung Solarduschen, „unregelmäßig a....kalt bis brühend heiß“. „Bunte, nicht zerkochte und leicht gesalzene Nudeln mit Tomatensoße.“

65 km zurückgelegt - 4:31 Std. gefahren - 24 km/h maximal gemessen

Samstag, 25.05.

Ein Tag ohne Herrn Dannenberg. Er bringt Lukas' Fahrrad zur Reparatur nach Cavaillon. Das Mechaniker-Fahrzeug ist hier in der Nähe während der gesamten Provence-Fahrt untergestellt und wird nun nützlich.

„Mit der gewohnten Stunde Verspätung (10=11)“ beginnt für uns die endlose Steigung hinauf zu dem malerisch gelegenen Bergdorf Gordes. Die Plünderung eines Kirchbaums wird von Hund und Besitzer verhindert. Ein Aussichtsplateau eröffnet einen „atemberaubenden Blick über die fast grenzenlosen Weiten der Provence.“
 

„Gemütliches und etwas planloses Schlendern“ in den Gassen von Gordes. „Einen wundervollen Eindruck hinterließen die arkaden- gesäumten Häuser und kleinen Geschäfte, die aus dem Tal des Coulon aufstiegen.“

Lucas hat das rosa Proviantköfferchen in Maubec vergessen. „Daher nur trocken Baguette.“

Kurzer Aufstieg am Südhang des Plateau de Vaucluse und Abfahrt in das Tal der Sénancole. Besuch des Zisterzienser-Klosters Sénanque. „Mönchsgerecht zogen wir uns hinterm Busch um.“ Eigener Rundgang mit Kurzführer. „Begeisterte durch seine Schlichtheit“.

Kettenschaden, diesmal bei Ralf.

Zurück in Cavaillon, erfolgt die „Erlösung aus den Qualen des Hungertodes“.

Maubec, abends. Herr Dannenberg hat groß eingekauft. Conny kocht auf dem 'Chefstein'. 17

Noch spät spielen wir den 'Gordischen Knoten', d.h., wir „entknoten, lachen, schreien“. Zum Leidwesen der Camper ('On veut dormir'). Herr Dannenberg, reichlich verärgert, argwöhnt Böses. Doch „zerstochene Reifen, zerstörte Zelte und vergiftetes Essen“ blieben aus.

33 km zurückgelegt - 2:23 Std. gefahren - 44 km/h maximal gemessen

Sonntag, 26.05.

Bauernmarkt in Coustellet. 18

Fontaine de Vaucluse in der Morgensonne 19 . Die Karstquelle der Sorgue führt hohes Wasser. 20 Verweilen am türkis-blauen Wasser. 21 Fast alle baden wenig später, auf Höhe des Campingplatzes, mit reichlich Überwindung in der 12 Grad kalten Sorgue.

Mittagspause und Picknick am Fluß.

Durch das Tal des Coulon über Goult nach Roussillon.

Wir sind überwältigt vom Farbenspektrum der Ocker-Steinbrüche. 22 Christian informiert aus dem 'Guide Michelin'. Mitschnitt auf Band. Rundgang mit Anstiegen durch das malerische Dorf.

Erfrischungen auf dem belebten Dorfplatz im Zentrum. 23

Rückfahrt mit Tücken. Zunächst angenehm bergab, falscher Abzweig, dadurch leider wieder bergauf und dann flach zurück nach Maubec. Curry-Putenbrust mit Reis, Karotten und Mousse au chocolat.

Es folgen weitere 'Gordische Knoten'. 24

70 km zurückgelegt - 4:00 Std. gefahren - 52 km/h maximal gemessen

Montag, 27.05.

Die Überquerung des Luberon. Hoher Anspruch für eine Gruppe. Gut geplant, ohne Wochenendtouristen. Günstige Wetterbedingungen. Erster Anstieg vor Oppède-le-Vieux. Zweiter Anstieg hinauf nach Ménerbes. Dann wellenförmig auf der D3 bis ins höher gelegene Bonnieux. Nun beginnt der eigentliche, schon gnadenlose Anstieg. 25

Auf halber Höhe gönnen wir uns in der Buvette 'Jas des Fourants' eine Erfrischung. 26

„Ausgiebige Mittagsmahlzeit“ mit Blick auf den Plateau de Vaucluse und die Haute Provence. 27

Endlich oben an der Kammlinie. Route des Cèdres. Wir rollen zunächst schattig unter dem Dach prächtiger Zedern. Autofrei. Nur wenige Wanderer und Spaziergänger. Der Baumbestand macht einem steinübersäten Plateau Platz. Nun weite Blicke auch in Richtung Mittelmeer.

Uns überrascht ein Regenschauer mit Hagel. Keine Möglichkeit sich unterzustellen. Schluchtenblick in das Tal der Durance. 28

„Sicherheitsanweisungen“ vor der nicht ungefährlichen Abfahrt in Richtung Les Taillades: Helmpflicht. Sicherheitsabstand. Minimalgeschwindigkeit. Abwechselnd und gut dosiert Vorder- und Rücktrittbremse. Alle erreichen sicher Maubec.

Unser letzter Abend in der Provence.

Dienstag, 28.05.

Restbestände ergeben noch ein Frühstück. Wir entsorgen feierlich die Gruppendecke.

Die Räder werden geputzt, inspiziert und ins nahe Depot verbracht. 3 Gruppenmitglieder nehmen von Cavaillon aus den Zug nach Avignon. Der Rest der Gruppe fährt im Mechaniker-Fahrzeug mit.

Wiedersehen mit den Gruppen Berle und Wais. Verladen der Räder und Transport nach Maubec. Hier letzte Inspektion durch unsere Mechaniker vor der Einlagerung bis zur nächsten Provence-Fahrt. Was wir damals noch nicht wussten: Es wird keine mehr geben.

In Avignon freier Nachmittag für die Großgruppe. Papstpalast.

Abschiedsmenü in einem Gartenrestaurant.

Mittwoch, 29.05.

Um 00.13 Uhr nehmen wir den Nachtzug nach Straßburg. Von dort nach Karlsruhe und weiter im ICE bis Hannover. Ankunft in Hameln um 15.10 Uhr.

Auch die Mechaniker-Gruppe wird nach einer Übernachtung im Elsaß in Kürze wohlbehalten eintreffen.

 

 
Fotogalerie

Jamila 29 Salka 30 Anne 31 Christian 32 Dana 33 Lukas 34 Ralf 35 Cornelia 36

Zum Seitenanfang